Ein besonderer Gottesdienst an einem besonderen Tag
- nknevelkamp
- 16. Nov.
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Neuhof a.d. Zenn. Der Tag der Deutschen Einheit „soll nicht nur an die deutsche Wiedervereinigung erinnern und das unmenschliche DDR-Regime, welches die Menschen im unfreien Teil Deutschlands erleiden mussten“. Tobias Winkler, Wahlkreisabgeordneter im Deutschen Bundestag, beim Gedenkgottesdienst in der sehr gut besuchten Neuhöfer Thomas-Kirche: „Der 3. Oktober ist auch ein Tag der Hoffnung im Kampf um Freiheit in anderen Teilen der Welt, zum Beispiel in der Ukraine oder Nord-Korea“. Das Thema Freiheit zog sich wie ein roter Faden durch den von Erster Bürgermeisterin Claudia Wust initiierten Gedenkgottesdienst. „Ein besonderer Gottesdienst an einem besonderen Tag“, so eröffnete Pfarrerin Bianca Jacoby und sprach von der Sehnsucht nach Freiheit, Würde und Zusammenarbeit. Die Würde des Menschen sei nicht nur im Grundgesetz festgeschrieben, sie sei auch ein Geschenk Gottes. „Und Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit, sie muss täglich neu gelebt und manchmal auch verteidigt werden“. Die Freiheit zu erhalten sei eine Daueraufgabe, bedeute aber auch, Verantwortung zu übernehmen.
Freiheit täglich leben und verteidigen
„Im Unrechtsregime DDR, welches keine Gnade kannte, wurde vielen Menschen nicht nur die Freiheit genommen, sondern auch das Leben“. Tobias Winkler blickte auf die Rolle der Evangelischen Kirche zurück, „wo man in der DDR doch etwas freier sprechen konnte“. Er erinnerte an die Montagsgebete, die Demonstrationen und die Fluchtbewegungen über Ungarn und die Tschechoslowakei, wo dortige Grenzbeamte entgegen ihrer Pflicht mit Augenmaß und Menschlichkeit die Flucht vieler hunderter DDR-Bürger zugelassen hätten. Als Zeitzeugin sprach Vera Kiefer über ihre Kindheitserinnerungen bei Verwandtschaftsbesuchen in der DDR und „das mulmige Gefühl an den Grenzübergängen“. Nach der Teilung ganzer Familien hätten sich aber nach der Grenzöffnung nicht nur Verwandte in den Armen gelegen, sondern auch „wildfremde Menschen“. Dankbar über die Wiedervereinigung appellierte sie: „Lebt in Kontakt, lebt im Miteinander“. Um Freiheit ging es auch bei der Rockballade „Wind of Change“ von den Scorpions, stimmgewaltig vorgetragen von der Opern- und Musicalsängerin Jennifer Eder, bei den Fürbitten war das Thema präsent, Konfirmandinnen und Konfirmanden trugen dazu passende Bibeltexte vor und auch beim Volkslied „Die Gedanken sind frei“ vom Chor „MeinGesangVerein Neuhof“ ging es um Freiheit. Bundestagsabgeordneter Tobias Winkler erinnerte daran, dass der 3. Oktober vor 35 Jahren im Einigungsvertrag 1990 als Nationalfeiertag festgelegt wurde, an dem Tag, als die DDR offiziell dem Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik beitrat. Bereits seit 1954 habe es den „Tag der Deutschen Einheit“ gegeben. Hintergrund war die gewaltsame Niederschlagung des Volkaufstandes vom 17. Juni 1953 in der DDR. Winkler: „Der erste Volksaufstand wurde noch mit Waffen niedergeschlagen, aber am Ende triumphierte der Drang nach Freiheit über Mauern und Stacheldraht. Und so ist der 3. Oktober heute ein Tag zum Feiern für uns Deutsche und für alle Menschen in der Welt, die nach Freiheit streben, ein Tag der Hoffnung“. Der Gottesdienst in der Thomas-Kirche in Neuhof an der Zenn war die größte Veranstaltung im Landkreis anlässlich des deutschen Nationalfeiertages. Der große Zuspruch sowie die wertvollen und hörenswerten Beiträge haben die Bedeutung des Tags der Deutschen Einheit eindrucksvoll unterstrichen. (Text: Peter Müller)






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